Anna Ernestine Therese von Gierke war eine gesellschaftlich hoch engagierte und trotz ihrer bürgerlich-konservativen Herkunft emanzipierte und fortschrittliche Frau, deren Lebenswerk sich nicht schematisch einem Bereich zuordnen lässt. Ihr Wirken umfasste insbesondere die Sozialpädagogik, Politik und Frauenrechte. In ihrem am Gemeinwohl orientierten Engagement war Anna von Gierke strukturiert, effizient und unkonventionell. Trotz Rückschlägen durch die politischen Gegebenheiten ihrer Zeit fand Anna von Gierke immer wieder neue Wege, für ihre Überzeugungen einzutreten.

Eckpunkte des Lebens Anna von Gierkes

  • Geburt am 14. März 1874 in Breslau als Tochter des Rechtsgelehrten Otto von Gierke und der ehrenamtlichen Wohlfahrtspflegerin Lili von Gierke (geb. Loening).
  • 1892 Leitung des Mädchenhortes im von Hedwig Heyl gegründeten »Jugendheim« in Berlin Charlottenburg.
  • 1898–1933 Leiterin der Ausbildungsstätte »Jugendheim e.V.« in Berlin
  • 1911 Eröffnung des „Sozialpädagogischen Seminars“, das angefangen als Modellprojekt schnell zu einem staatlich anerkannten Ausbildungscurriculum der Berufe Hortnerin und Schulpflegerin führten.
  • 1912 Mitbegründerin des Verbandes für Schulkinderpflege.
  • 1919/1920 Abgeordnete in der Weimarer Nationalversammlung zur Ausarbeitung der Verfassung der Weimarer Republik. Anna von Gierke war Vorsitzende des Ausschusses für Bevölkerungspolitik. Nachdem Sie wegen „nichtarischer Abstammung“ von der DNVP nicht zur Reichstagswahl 1920 aufgestellt wurde trat sie am 12. Mai 1920 aus der DNVP aus.
  • 1920 Gründung einer Frauenliste für die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung Berlins.
  • 1921 Gründung des Landjugendheims Finkenkrug mit Martha Abicht, das zur Erholung der Schülerinnen, Angestellten und Kinder diente und im gärtnerischen und landwirtschaftlichen Bereich Kenntnisse vermittelte. Die Leitung des Landjugendheims übernahm zunächst Alice Bendix und später Isa Gruner.
  • 1923 Gründung der Zeitschrift „Soziale Arbeit“ für sozial engagierte Frauen.
  • 1925 Mitbegründerin des 5. Wohlfahrtverbandes gemeinsam mit Prof. Dr. Leopold Langstein und Carl Hofacker, dem Vorläufer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtverbandes.
  • 1931 Vorstandsmitglied im Bund Deutscher Frauenvereine.
  • 1933 wurde Anna von Gierke wegen ihrer jüdischen Abstammung aller Ämter enthoben.
    In den Folgejahren engagierte sie sich vermehrt in der bekennenden Kirche und half u.a. verfolgten Juden.
  • 1942 sagte sie einer Schülerinnengruppe in Finkenkrug: “Helfen Sie, dass bei uns das Recht wieder maßgebend wird. Helfen Sie, dass jeder im anderen Menschen wieder seine Würde sieht und an das Gute im Menschen glaubt.“
  • Anna von Gierke verstarb am 3. April 1943 in Berlin. Sie liegt auf dem Friedhof der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin begraben.
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